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Mobile Tagging: Japan hat die Nase vorn

Beim Bummeln durch die Stadt entdeckt der Handy-Nutzer ein Poster für ein Musikkonzert. Er zückt sein Kamerahandy und fotografiert den Barcode auf dem Poster. Sein Mobiltelefon decodiert und verarbeitet den Inhalt, Sekunden später wird auf dem Display die entsprechende Website angezeigt. So kommt der User schnell und unkompliziert an weiterführende Informationen, auch wenn er unterwegs ist. Jetzt muss er nur noch entscheiden, ob er eine Eintrittskarte für das Musikkonzert oder doch lieber eine CD für zu Hause kaufen will.

„Tag“ ist Englisch und heißt übersetzt „Etikett“. „Mobile Tagging“ steht demnach für ein System mit elektronischen Schildchen in Form von mehrdimensionalen Barcodes, die vom Handy aufgenommen und verarbeitet werden. Mobiles Surfen wird so erheblich erleichtert, der Nutzer kann seinen Impulsen folgen und interessant Dinge an Ort und Stelle nachverfolgen.

Kommerzielle, öffentliche und private Nutzung

Man unterscheidet drei Formen von Mobile Tagging: Commercial, Public und Private Tagging. Beim kommerziellen Tagging liegt der Fokus in erster Linie auf Mobile Marketing und Advertising. Konkret bedeutet das, dass der Kunde Zusatzinformationen wie Nährwerte über den Barcode auf der Verpackung abrufen oder kostenlose Downloads (Videos, Klingeltöne etc.) bekommen kann. Auch die direkte Weiterleitung des Users auf die Homepage des Unternehmens fällt in den Bereich des Commercial Tagging.

Beim Public Tagging geht es darum, dem Handy-Besitzer interessante Informationen wie Wegbeschreibungen oder Lexikon-Links anzubieten. In diesem Fall sind die Barcodes im öffentlichen Raum angebracht (z.B. Litfasssäule).

Beim privaten Tagging stehen persönliche Motive der Nutzer im Vordergrund. Beispielsweise kann der User direkt auf ebay-Auktionen zugreifen, wenn er unterwegs ein Kaufobjekt mit Barcode fotografiert. 2D-Codes auf Businesskarten ermöglichen zudem das automatische Speichern von Kontaktdaten im Handy-Adressbuch.

Noch keine einheitlichen Standards

Nötig für das Lesen und Konvertieren der Barcodes ist ein Reader, der auf dem Mobiltelefon installiert wird. „Physical World Connection“ (PWC) beschreibt den Vorgang, wie Objekte der realen Welt mit dem Internet verbunden werden. Ziel des mobilen Tagging-Systems ist, den Kunden zu interaktivem Handeln anzuregen. In einigen asiatischen Ländern, vor allem in Japan, hat sich Mobile Tagging seit 2003 erheblich verbreitet. Derzeit sind rund ein Dutzend verschiedener 2D-Barcodes im Einsatz. Problematisch ist die fehlende Standardisierung der Codes und Readers. So können viele Reader nur die eigens für sie entwickelten Tags lesen. Eine Vereinheitlichung könnte sich positiv auf die Verbreitung von Mobile Tagging in Europa auswirken.

Autor: FN

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