Mobile Banking: Knackpunkt Datensicherheit
„Mobile Banking“ ist ein Teilbereich der mobilen Geschäftswelt („Mobile Commerce“). Man bezeichnet damit die Abwicklung von Bankgeschäften über ein mobiles Endgerät. Im wesentlichen gibt es drei Anwendungen: mobile Kontoführung, mobile Depotführung sowie zusätzliche Informationsdienste zum Thema Finanzen. Nach einem gescheiterten Anlauf Ende der 90er Jahre versuchen die Bankinstitute jetzt erneut, ihre Kunden an das Mobile Banking, auch „mBanking“ genannt, heranzuführen.
Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen verändert: die Endgeräte sind leistungsfähiger geworden, es stehen schnellere und günstigere Verbindungen zur Verfügung und die Anwendungen präsentieren sich benutzerfreundlicher. Die Mehrzahl der europäischen Banken ermöglicht ihren Kunden bereits den Zugang zu Konten und Transaktionen via Mobiltelefon. Eine neue Studie von Sybase 365, dem Weltmarktführer im Bereich Mobile Messaging Services zeigt das wachsende Interesse an Mobile Banking: Nahezu ein Drittel der wichtigsten internationalen Finanzinstitute plant demzufolge in den nächsten zwölf bis 24 Monaten die Einführung von Mobile Banking Services.
Mobile Banking stärkt Kundenbindung an die Bank
Im Rahmen der Sybase-Studie wurden 92 Banken weltweit befragt, davon 32 europäische Institute. 66 Prozent der befragten Banken sehen Mobile Banking als ausgezeichnete Möglichkeit, um den Kundenservice zu erweitern. „Kommerzielle Überlegungen wie Kostenreduzierung oder Umsatzgenerierung sind nicht die einzigen Beweggründe für Finanzinstitute, um Mobile Banking anzubieten“, erläutert Matthew Talbot, Vizepräsident des Bereichs mCommerce bei Sybase 365. „Mobile Banking bietet die beste Möglichkeit der Kundeninteraktion und der Schaffung von nachhaltigen Beziehungen“, meint der Sybase-Manager. So sind laut Report die wesentlichen Motive der Banken für diese Service-Angebote: die Verbesserung der Kundenzufriedenheit (87 Prozent), eine Ergänzung des Internet Banking (81 Prozent) sowie Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz (71 Prozent).
Drei Prozent der Deutschen nutzen Mobile Banking
Eine andere Studie aus dem Jahr 2007 beschäftigt sich mit den Nutzern mobiler Finanzservices. Sie zeigt, dass diese innovativen Angebote bisher eher selten genutzt werden: Gerade einmal drei Prozent der deutschen Bankkunden mit Internetanschluss griffen 2007 auf Mobile-Banking-Dienste zu. In den USA waren es vier Prozent, im fortschrittlichen Schweden neun Prozent. Angeführt wird die Statistik von den Italienern, dort wickeln elf Prozent der Bankkunden ihre Geschäfte über das Handy ab. Bisher sind es vor allem die sogenannten Early Adopters, also die Zielgruppe der jüngeren, gut verdienenden Männer mit einem Faible für neue Technologien, die Mobile-Banking-Services anwenden.
Die Kunden nutzen den mobilen Zusatzkanal vor allem für einfache Transaktionen und um Informationen über ihr Konto zu erhalten. Wie aus der Befragung von Forrester Research hervorgeht, greifen 57 Prozent der Mobile-Banking-Kunden zum Telefon, um ihren Kontostand zu prüfen. 42 Prozent erhalten eine SMS von ihrer Bank auf das Handy, wenn der Kontostand gering ist oder wenn größeren Zahlungen ein- oder ausgehen. 27 Prozent wollen sich mobil einen Überblick über ihre letzten Kontobewegungen verschaffen. Lediglich eine kleine Gruppe von 10 Prozent nutzt das Mobile Banking derzeit auch für Überweisungen.
Mobile TAN garantiert mehr Sicherheit
Das Online-Banking hat sich in Deutschland durchgesetzt. Rund ein Drittel der deutschen Bankkunden führt das Konto mittlerweile per Internet. Das sind im Prinzip gute Voraussetzungen für mobile Finanzservices, wären da nicht die Zweifel an der Datensicherheit. Viele Verbraucher fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, sensible Daten wie Kontonummer und Passwörter über das Handy zu kommunizieren. Sowohl für die online wie die mobile Überweisung werden TAN-Nummern benötigt. Diese wurden dem Nutzer bisher in Form von TAN-Listen zugeschickt. Verständlicherweise führen nur die wenigsten Handy-Nutzer diese Liste mit sich, aus Vorsicht lassen sie dieses sensible Dokument lieber an einem sicheren Ort. Sicherheitsexperten haben nun die „mobile TAN“ oder mTAN entwickelt, die das angreifbare und umständliche System der TAN-Listen ersetzen soll. Dabei wird die Kennnummer zur Freigabe einer jeden Überweisung per SMS direkt auf das Handy geschickt. Einziges Manko an der sehr sicheren mTAN: Der Handy-Besitzer muss zwischen den Systemen wechseln – SMS für TAN, Client oder Browser für den Mobile-Banking-Zugang, was etwas umständlich ist.
„Mir sind noch keine Hacker-Angriffe auf dieses System bekannt“, lobt Paul Dienstbach von der „Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet“ die mTAN. Bei der Postbank gibt es die mobile Kennnummer schon seit 2003, seit kurzen bietet das Finanzinstitut diesen Service kostenlos an. Viele Volks- und Raiffeisenbanken haben die mTAN seit gut einem Jahr im Programm, wobei sich die Gebühren von Haus zu Haus unterscheiden. Der deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mit seinen 450 Filialen will noch 2008 nachziehen. Andere Häuser wie die Dresdner Bank, die Internetbank DAB oder Comdirect prüfen die Einführung der mTAN.
Online und Mobile Banking wachsen zusammen
Die Mehrheit der deutschen Banken verwendet Browser-basierte Lösungen für das Mobile Banking: Der User gelangt über den Webbrowser in seinem Mobiltelefon auf eine Internetseite, die für die mobile Nutzung optimiert ist. Sie sollte im Design und in der Funktionalität dem Auftritt für Online Banking ähnlich sein, damit sich der Bankkunde in einer vertrauten Umgebung bewegen kann. Auch für die Bank ist diese Übereinstimmung von Vorteil, da sie Kosten in der Entwicklung von Online- und Mobile-Banking-Portalen einsparen kann. Insgesamt sind die Grenzen zwischen Online und Mobile Banking fließend: Heute verfügen fast alle Handys über einen integrierten Webbrowser. Theoretisch kann also jeder Bankkunde mit einem internetfähigen Handy kann von unterwegs mobil Online Banking nutzen, auch wenn seine Hausbank kein eigenes Mobile-Banking-Angebot hat.
Autor: FN
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